Enni Wedekind .... 

besser spät als nie....

Leseproben      Enni Wedekind

           Anfang


……..Vielleicht weiß jemand, wie das ist, wenn man das Gefühl hat, die Worte schwimmen um einen herum, sie sind mal unsichtbar, mal schlafen sie, mal bringen sie sich lautstark in Erinnerung, mal bringen sie einen fast um und mal lachen sie dich aus. Es ist wie ein schwebendes Buch, welches schon geschrieben worden ist, aber verborgen irgendwo liegt. Vielleicht liegt es auf einem Friedhof, da liegt doch alles, was vergangen ist, oder auf einem verstaubten Dachboden zwischen Gerümpel aus Jahrzehnten oder im Universum, da liegt doch alles, was die Zukunft ist. Es ist Vergangenheit und Zukunft zugleich. Diesen Trieb, alles aufzuschreiben, diese ungesagten Worte aufzuschreiben, verspüre ich schon so lange, wie ich denken kann. Bevor ich anfing zu denken, fühlte ich, ja, so muss es gewesen sein, ich fühlte all das Gute, das Schlechte, das Böse und die Schuld, ich fühlte die Worte, ich verstand sie ohne zu lesen. Aber ich fühlte auch das Leben, das Leben in seinen bunten Facetten, in seiner vielfältigen Schönheit. Vielleicht ahnte ich die Wärme, die Wärme, die nicht von der Sonne kommt, die ganz tief in uns drin ist, die Wärme der Liebe, die aus den Augen sprechen kann. Zeitig lernte ich, den Menschen ohne Scheu direkt in die Augen zu sehen. Manchmal sah ich da etwas, was mir Mut machte, was gut war, was mich wärmte und was Vertrauen schaffte. Innerhalb eines Augenblicks fällst du da ein Urteil. Kennst Du das nicht? Doch, mit Sicherheit kennst Du das. Aber Du hast natürlich auch das Böse, das Kalte und die Ablehnung in den Augen gesehen...…...

                 Home 1948

….Ich fand alles schön, den alten Herd, auf dem die köstlichen Kartoffelpuffer klebten und einen Gestank machten oder auf dem sich die wenigen Brotscheiben vor Hitze krümmten, die drei Stühle, die wacklig uns aufnahmen und sicher bessere Zeiten gesehen hatten. Das Fenster, aus dem ich einen wunderschönen Kirschbaum sah, in dem die Stare sich trotz einer hässlichen Vogelscheuche gern tummelten oder den Wald, den ich von Anfang an liebte. Die zwei Betten, die sich an die Wände schmiegten, eins für meinen Bruder, eins für meine Mutter und mich. Die Lampe, die, wenn ich schlafen sollte, mit einem Tuch abgedunkelt wurde. Aber am schönsten war ein Möbelstück, das sicher auch nicht wusste, was es in dem ärmlichen Zimmer verloren hatte. Ein Schreibpult, welches in der Nische neben dem Wandschrank direkt unter dem Fenster stand und mein Versteck, mein Platz zum Malen und Schreiben war. Wenn es mir nicht gut ging, damals wusste ich noch nicht warum, dann kroch ich unter dieses Pult und sang traurige Lieder. Lieder, die es nicht gab. Melodien, die es nicht gab. Aber Worte, die gab es und gesungen flogen sie manchmal weg, aber sie kamen immer wieder zurück. Aber es tat gut, wenn sie mal für eine Zeit fortflogen.....

Enni Wedekind

 

Gedichte ( Vorlagen für Songtexte )


Hinter meiner Tür

 

Ein Zimmer grau wie der Nebel

Nur dunkle Dächer unter mir

Meine Träume streicheln deine Seele

Sie ist noch immer nur bei mir

 

Hinter meiner Tür wohnen noch die Träume

Im Kopf sind alle Lichter an

Denn du bist die Sonne über allen Dächern

Und auch der hellste Stern

Hinter meiner Tür geh ich einsam in die Knie

Bis ich wieder bitten kann

Denn du bist die Sonne über allen Dächern

Und auch der hellste Stern

 

Silberne Strahlen in deinen Augen

Lächeln mich noch immer an

Nur an diesem Ort kann ich glauben

Dass ich mit dir fliegen kann

 

In dem Zimmer werde ich warten

Wo nur die Wände alles hören

In diesem Raum wo jeder Schatten

Nur noch sich selbst gehören

 

Nur hier wirst du mich finden

Wenn dein Hunger es will

Und du wirst still vor mir stehen

Bereit für das uralte Spiel

  

Enni Wedekind


Jetzt

 Ich steh auf der Straße, das Tor hinter mir

   Schließt sich für immer, zu lange war ich hier

Ich suche den Baum, von dem ich ewig einen Ast sah

Halte mich fest, bin jetzt wie er dem Himmel so nah

Er wollte die Freiheit, war gefangen wie ich

Nur geschüttelt vom Sturm, beugte er sich

Doch wurde es still, richtete er sich wieder auf

                                                    Streckte seinen Äste, trotzig zum Himmel hinauf                                                  Wer hilft mir jetzt die Freiheit zu tragen

Wo ist für mich jetzt der rettende Ast

Kannst du mich lieben ohne Fragen

Bist du stark genug für meine Last

Und weht der Wind mir jetzt kräftig ins Gesicht

Ich beuge mich nach vorn, breche aber nicht

Nicht jetzt, nicht morgen und zu keiner Zeit

Ich bin tief verwurzelt und zum Leben bereit

Und werde ich schwach dann denke ich daran

Wie ein Ast im Wind mir jede Angst nahm

Und wird es still, dann richte ich mich auf

Und der der Himmel macht jedes Tor für mich auf

 

Enni Wedekind


Eine Rose in Asche geboren


Ich gehe durch die fremde Stadt
Auf alten Straßen im Neonlicht
Die Luft kalt wie der Atem von Ruinen
Dunkle Fenster ohne Gesicht

In grauer Asche

Blühen keine Rosen

 

An jeder Ecke streunende Hunde 
Ein Hauch von Asphaltmoral
Laute hart, wie Fels in der Brandung
Angst hinter Gitter aus Stahl

In grauer Asche

Blühen keine Rosen

 

Der Wind spielt mit den Tönen der Nacht 
Und doch höre ich ein Lied
Eine Stimme, so betörend und schön
Eine Melodie die mich weiter zieht

In grauer Asche

Blühen keine Rosen

 

Dann seh ich sie unter der Laterne
Ein junges Mädchen tanzt verloren
Im roten Kleid bezaubernd und schön
Wie eine Rose, aus Asche geboren

In grauer Asche

Blüht eine Rose

 

Eine Rose aus Asche geboren
Und ich höre eine Melodie
Sie zieht mich ins Paradies
Du bist die Rose  aus Asche geboren
An dich habe ich mich verloren

Aus grauer Asche

Blüht eine Rose… meine Rose  

Enni Wedekind