Enni Wedekind .... 

besser spät als nie....

Wolfgang Baier geb. 1945 in Schlesien, gest. 1978 in Westberlin.

 

  • Wolfgang Baier DDR Meister im TT 1963
    Wolfgang Baier DDR Meister im TT 1963
  • Wolfgang Baier Zerbst 1
    Wolfgang Baier Zerbst 1
  • Wolfgang Klassenfoto 001_1
    Wolfgang Klassenfoto 001_1
  • Wolfgang Baier 1954 Berlin
    Wolfgang Baier 1954 Berlin
  • Wolfgang Baier & Detlef Zerbst
    Wolfgang Baier & Detlef Zerbst

Mein Bruder, mein Beschützer! Keiner hat mich mehr geprägt als er. Er hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und schon als Junge fiel er durch seine Haltung gegen die Diktatur der DDR auf.

Abitur, Deutscher Meister im Tischtennis 1964, Hochschule für Ökonomie in Berlin Karlshorst. Exmatrikulation 1968 wegen Kollektivzersetzung.

Schon zwei Jahre vor dem Prager Frühling hielt er sich mit anderen, gleichgesinnten Studenten in Prag auf. Beteiligte sich an den Vorbereitungen des Aufstands. Ich habe ihn kurz vor dem Prager Frühling das letzte Mal gesehen. Er erhielt einen Brief von Vatzlav Havel, dieser hatte damals Berufsverbot in der CSSR, mit der Aufforderung sofort nach Prag zu kommen. In einem Theater war der Treffpunkt. Am nächsten Tag waren die Geschehnisse im Westfernsehen und auch bei uns zu sehen. Da wussten wir warum er in Prag ist. Nach diesen Tagen war nichts mehr so wie es war. Ich durfte kein Staatsexamen machen und es begann eine Sippenverfolgung bis 1989....

 

Mitglieder der Warschauer Paktstaaten marschierten ein und schlugen diesen Aufstand nieder. Er wurde verhaftet und vom Generalstaatsanwalt der DDR ( heute weiß ich, dass eigentlich Mielke die Urteile fällte) zu vielen Jahren Haft verurteilt. Von Cottbus über Bautzen landete er schließlich im berüchtigten Gefängnis der Stasi  Hohenschönhausen.  

 

 1973 wurde er von Deutschland freigekauft. Acht Semester studierte er an der Freien Universität Berlin Germanistik und Angelistik.

Zwanzig Jahre habe ich geglaubt, dass er sich das Leben genommen hat - jetzt weiß ich nicht mehr was ich glauben soll. Es ist wahrscheinlich, dass vierzig Prozent der freigekauften Studenten, die in Westberlin geblieben sind, von der Stasi eliminiert wurden. Was geschehen ist - werde ich nie mehr erfahren.

In seinen Stasiakten,  die ich 1995 lesen durfte, fand ich auch keinen Anhaltspunkt. Da diese Akten erst 1994  zur damalien Gauck - Behörde kamen, hatten die Genossen noch vier Jahre Zeit sie zu säubern.